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Sept 2017

 

Donnerstag, 28. September 2017:

Die Aktion mit der RTL-Sendung hat trotz allem eine positive Seite. Das erwähnte Interview mit der Ministerin  fand nicht statt, stattdessen wurde eine Presseerklärung des Ministeriums veröffentlicht. Es ist nicht verwunderlich, dass die „zuständige“ Neustadter Lokalausgabe der Tageszeitung sich damit befasst und einen Artikel dazu veranlasst hat. Ich lese daraus: Keiner will letztendlich verantwortlich sein für die Bauverzögerung. So, wie es da steht, kann es allerdings auch nicht die ganze Wahrheit sein. Am Rande eines Termins in anderer Sache am Dienstag beim Landrat vernahm ich, dass der Bauamtsleiter des Kreises im Haus sei. Ich „drängelte“ mich in sein Büro vor, um die berichteten, angeblichen Fakten aus dem Artikel gemeinsam mit ihm zu überprüfen bzw. zu erörtern. Das Fazit muss danach lauten: In dem Artikel steht nichts Falsches, aber eine vollständige und hintergründig recherchierte Information war ebenfalls nicht seine Leitlinie. Komplizierte Vorgänge mögen freilich schwierig zu vermitteln sein, gerade deswegen ist aber Genauigkeit angesagt für eine glaubhafte Berichterstattung. Ungenauigkeiten stehen zu lassen, schürt den Verdacht der Parteilichkeit und entspricht keinem Medien-Ethos, denn was gedruckt rausgeht, ist öffentlich und bildet dadurch Meinung und ist der berichteten Sache nicht dienlich. Mit vorschnell geschriebenen Schuldzuweisungen ist es da schlichtweg nicht getan, es müssen doch Lösungen her und das zeitnah. Die weitere Entwicklung wird zu beobachten sein.

Für ein „strammes“ Wochenende mit den YA war ich wohl doch nicht fit genug, jedenfalls plagt mich erneut oder rückfällig die Erkältung. Vielleicht hat kann dieser Zusammenhang aber auch nicht hergestellt werden, denn auf der anderen Seite lese ich in den Mails von der langen Liste von Krankmeldungen bei Schüler/-innen und Kolleg/-innen. Dass es dennoch ein intensives Wochenende war, das auch tiefere Schichten in mir erreicht hat, zeigt sich in der Tatsache, dass ich Nacht für Nacht von dem Workshop träume oder, genauer gesagt, ich mich angesichts des möglichen weil krankheitsbedingten Aufwachens ohne Wecker besser daran erinnern kann. Ebenfalls finde ich ausreichend Zeit, mir die Videos der drei bisherigen Workshops genau anzusehen, Unterschiede festzustellen und in zusätzlichen Erinnerungen zu schwelgen. Zeit zur vollständigen Genesung werden mir zusätzlich die anstehenden zwei Wochen Herbstferien geben.

 

Montag, 25. September 2017:

Gigantisch, phantastisch und unglaublich – das sind Worte, mit deren Hilfe mir die Eindrücke und die Begeisterung über die gestrige Show erzählt wurden. Heute Morgen folgte dann der letzte Akt: die Verabschiedung am Bus um 8.30 Uhr. Die Familien erleben fernab von meiner Wahrnehmung zusätzliche Besonderheiten, die wiederholt als einmalig geschildert werden, bestehend aus menschlichen Begegnungen der besonderen Art, aus Gesprächen und aus atmosphärisch dichten Stunden. Dass bei der Verabschiedung nicht nur bei den Schüler/-innen die Tränen reichlich fließen, war mir bekannt. Auch die eine oder andere Mutter konnte sich kaum zurückhalten. Ich fragte die YA, wie sie mit dieser Situation zurechtkämen, alle drei Tage weinende Menschen zurücklassen zu müssen? „It’s really not easy, but we are professionals!“ Na, dann…

Zuvor hatte ich drei Mädchen aus den Klassen fünf und sechs Hand in Hand über den Schulhof gehen sehen. Sie sangen dabei gemeinsam: „If we hold on together“. Besser geht es doch nicht, oder?

Bereits auf dem Parkplatz erreichten mich dankende Rückmeldungen:

„Das waren ganz bewegende Tage mit den beiden YA zu Hause. Wir wollen das nächste Mal unbedingt wieder dabei sein!“

„Großartig, was Sie den Kindern Ihrer Schule alles bieten!“

„Da haben Sie aber ganz schön geworben. Gestern traf ich einen Bekannten, auch der wusste von den YA!“

Die langjährige Busfahrerin der YA trug eine für mich besonders wertvolle Anmerkung bei. Sie, die über Monate hinweg verschiedenste Schulen erlebt, sagte mir: „Mann, habt ihr höfliche Schüler hier, das erlebt man nicht alle Tage!“

Dann fuhr der Bus, eine staubige Wolke hinterlassend, vom Hortparkplatz ab, die Eltern- und Schülermenge löste sich schnell auf, auch ich musste den Weg in den Alltag und in den Musikunterricht in einer fünften Klasse beschreiten. Natürlich war ich an weiteren Rückmeldungen interessiert, denn gerade für unsere Jüngsten ist dieses Projekt vorher völlig fremd. Wieder schlug mir Begeisterung entgegen:

„Die YA haben uns bei Fehlern immer Mut gemacht. Fehler waren für die gar nicht schlimm.“

„Herr Dumont, ich bin so glücklich, den Workshop mitgemacht zu haben!“

„Ich habe mich viel mehr getraut als sonst. Ich singe doch gar nicht gerne und in der Show hatte ich sogar einen Soloeinsatz. Irre, dass ich mich das getraut habe.“

„Die sind so lieb zu uns gewesen, da hat niemand geschimpft, wenn etwas nicht geklappt hat.“

„Nicht nur die Kinder aus den Gastfamilien sind heute traurig. Alle vermissen die YA.“

Später am Tag erhielt ich eine den morgendlichen Austausch ergänzende E-Mail einer Gastmutter:

„Eine  Mutter der Grundschule war total begeistert. Sie hat eine Tochter an einer anderen weiterführenden Schule und meinte, was für eine Wärme sie hier erlebt habe, das kenne sie so aus der anderen Schule nicht......ich sagte: Ja, wie eine große Familie.“ In einer weiteren Mail stand:

„Vielen Dank nochmal für das Erlebnis am Wochenende. Es hat wie immer total  Spaß gemacht, dabei zu sein. Wahnsinn wie die Kinder in kürzester Zeit über sich hinaus wachsen. Rührende Momente durften wir erleben. Wir lernten tolle Menschen kennen. Als Gasteltern hatten wir zwei wundervolle Mädels zu Hause und natürlich mussten  wir weinen, als sie heute Morgen gingen. Wir sind noch immer wie in einer anderen Welt.“

„Vielen lieben Dank...hoffentlich dürfen wir das nochmal erleben.“ 

Und noch eine überraschende Nachricht fand ich in meinem Posteingang. In jedem Jahr wünschte ich mir den ins Deutsche übertragenen Text von „If We Hold on Together“, dem Lied von Diana Ross, das in jeder Show zum Abschluss gesungen wird. Auf keiner der Videoaufnahme konnte ich ihn genau heraushören. Bereits am Mittag hatte ihn mir jetzt der Company-Manager gemailt:

„Folge deinem Pfad an jedem neuen Tag.
Du kannst so viel, setz das nicht aufs Spiel.


Leben, glauben, Träume erlauben
Wunder sind überall.
Leb‘ dein Leben,

Glaub‘, hoff‘ und liebe 
in deinem Herz bleib dir treu.


Lasst uns zusammen stehen,
unsere Träume sterben nie. 
Wir folgen unsern Wegen
für alle Zeit in Ewigkeit.


Die Finsternis macht uns nicht bang.
Wir wissen von der Sonne, 
im Dunkeln spüren wir das Licht. 
Es erfüllt unser Herz.

If we hold on together
I know our dreams will never die.
Dreams see us through to forever
Where clouds roll by, for you and I“

Nun sind auch die “Young Americans 2017” Geschichte. Wieder wurden (alle?) Erwartungen erfüllt, wieder An- und Entspannung erlebt, Freude und Spaß empfunden. Ob die eine oder andere „box“ gesprengt und persönliches Neuland beschritten wurde, wird jede/r für sich beantworten müssen, vielleicht auch erst in späteren Jahren als Rückblick auf dieses Wochenende: „Ich habe damals ein einmaliges Wochenende erleben dürfen. Wie einfach und konfliktfrei ließe sich die Welt gestalten, wenn die Art dieses wertschätzenden Umgangs und dieses humane Miteinander, basierend nicht auf der verstellten und beeinflussbaren (Un-) Vernunft, sondern auf einer tieferen, menschlich wahrhaftigeren Ebene, wenn mehr und verbreiteter davon auf diesem Planeten gelebt würde.“ Dann würden sich auch die Verse aus dem Lied von Diana Ross bewahrheiten: „Die Finsternis macht uns nicht bang. Wir wissen von der Sonne“.

 


Sonntag, 24. September 2017:

Der Sonntagvormittag verläuft dagegen immer in großer Ruhe. Zum einen beginnen die YA die Probe ihrer eigenen Show erst um zehn Uhr, zum anderen haben die Teilnehmer/-innen „frei“ bis 15 Uhr. Da sind auch keine zwei Verantwortlichen notwendig wie etwa beim Mittagessen des Samstags, also nehme ich mir dieselbe Zeit und komme erst gegen 15 Uhr an die Halle – der Europa-Manager ist schon da! Keine Umarmung mit Männern erlebe ich so gefühlvoll, ehrlich, fest und so tiefgehend wie diese alle zwei Jahre sich ereignende, einfach nur schön! Später hörte ich noch zusätzlich, er habe gesagt, ich sei einer der Schulleiter, die das Anliegen und das Konzept der YA wirklich verinnerlicht und verstanden hätten und nicht nur als „Event für die Schule“ ansähen. Nochmal schön! Dennoch ist mir bisher keine Verbreitung gelungen, trotz mehrerer Artikel, Erwähnen in Büchern und mündlichen Werbens…Aber mit Worten oder DVDs ist das Eigentliche dieser Tage nicht adäquat zu vermitteln. Man muss es einfach erlebt haben. Daher habe ich Einladungen an drei Schulen versandt, nur eine kam wirklich. Nun bin ich kein Promotion-Manager der YA, aber es ist eine sonst kaum mögliche ganzheitliche Ergänzung zur so oft verkopften Schule. Ich erkundige mich noch, ob die Bundestagswahl störungsfrei vonstattengegangen ist. Der Knackpunkt wird nachher kommen, wenn wir das Buffet aufbauen, auch dann dürfen die Wege in die Wahllokale nicht beeinträchtigt werden. Man stelle sich vor, die Wahl in Wachenheim müsste für ungültig erklärt werden, weil ein/e Wähler/-in den Weg nicht gefunden hätte…

Die Stühle sind bei meiner Ankunft weitgehend gestellt, allerdings wieder einmal in einer anderen Variante. Die Generalprobe läuft prächtig. Einige Laufwege müssen neu angepasst werden, die gewohnten oder geübten sind jetzt mit Stühlen verstellt, Mehrmals höre nochmal die am häufigsten ausgesprochenen Worte dieser Tage: „…fünf, sechs, sieben, acht!“ - Zahlen, die den Einsatz ankündigen und genau festlegen. Alle haben bereits ihre pastellfarbenen T-Shirts an. Alle? Nein ein Mädchen trägt ein weißes. Ob sie das Original vergessen habe, dann würde ich ihr ein neues besorgen, wollte ich wissen. „Nein, nein, ich habe es in meinem Rucksack. Aber ich bin doch nicht verrückt und ziehe das bei der Probe schon an. Dann wäre es zur Show doch schon ganz verschwitzt!“, sagt es und eilt lächelnd davon.

Bereits nach wenigen Anlieferungen von Eltern zeichnet sich ab, dass das Büfett wieder eine herrliche und prächtige Gaumenfreude sein wird, einfach ein tolles Miteinander! Danke euch allen! „Was Sie in „Schulleiters Tagebuch“ geschrieben haben, stimmt ja wirklich, ich erlebe diese Tage genauso, wie Sie es dort beschrieben ist.“ Das freut mich, dann empfinden wir ähnlich und meine Worte können das Wesentliche transportieren (vgl. dazu die Einträge: 10. Oktober 2010, 11. September 2011 und 2013, 18. Oktober 2015). Die Spannung steigt spürbar an, auch am Büfett, denn natürlich sollen die YA zuerst drankommen, um ihre Aufgaben unmittelbar vor der Show noch erledigen zu können. Unsere ausgehungerten Kids fieberten dem Augenblick entgegen, bis der letzte Amerikaner mit seinem Teller aus dem Foyer kommen würde. Den Weg zu den beiden Wahllokalen in der Grundschule haben wir säuberlich ausgewiesen und abgegrenzt. Das dürfte also kein Problem werden. Allerdings verteilen wir keine Wahlgeschenke, so sehr die Speisen auch duften…“Aber Sie dürfen sich gerne etwas zu trinken bei unserem Förderverein gönnen!“ Natürlich hatte dieser wieder in bewährter Manier rechtzeitig alles aufgebaut, was vor der Show und in der Pause für 400 Menschen an Getränken notwendig ist. Herrlich und Danke!   

„Georg, komm, wir müssen ‚circeln!‘“, rief mich mein Kollege vom Getränkestand weg. Was sich 2011 durch Zufall ereignete, heute war es gewollt. Auf dem Kleinspielfeld hinter der Sporthalle hatten sich die YA im Kreis versammelt und holten uns eigens in ihre Mitte. Das gleiche „Spiel“ mit der Handhaltung, allerdings mit weniger Muse und weniger Sammeln. Ob ich für die Show etwas mitgeben wolle? Hmm, so schnell bringe ich auf Englisch nichts Rechtes zustande. Drinnen wartete die Halle. Da ich zum vierten Mal eine Show eröffnete, sollte mal was Neues kommen. Die letzten Worte als Zeichen zum Auftritt waren immer: „Begrüßen Sie mit mir die Young Americans“, wobei sich die Lautstärke und Modulation der Stimme besonders abhob. Das wollte ich heute Abend mit dem ganzen Publikum gestalten, wobei es sich ja nicht proben ließ. Es klappte aber ganz gut. Zuvor hatte ich zur Begrüßung ein weiteres Mal darauf hingewiesen, dass wir uns als Schule diesen Workshop nicht „einfach so“ zumuten, sondern ihn so verstehen, dass er das auf Ganzheitlichkeit abzielende Konzept der Schule auf einzigartige Weise ergänzt. In der Schule spiele so oft der Kopf die tragende Rolle, dabei sei der Mensch über die ganze Entwicklung hinweg viel mehr Bauch. Als Witz kam es durchaus an, dass ich sagte: „Nicht nur optisch, wie beim Schulleiter“, sondern ganzheitlich müsste die Arbeit der rational geschulten Hirne heute hinten anstehen. „Lassen Sie den Bauch heute Abend spüren, lassen Sie sich anstecken von Musik, Tanz und Gesang.“ So ähnlich hatte ich es vor und in meiner Erinnerung kam diese Begrüßung auch an, zumindest stellte sie die Show auf eine hintergründige Basis. Durch den „circle“ zuvor war allerdings „mein Platz“ weg, obwohl ich als Reservierungszeichen doch die Ukulele auf den Stuhl gelegt hatte. Hinter mir wirbelten schon die YA los, da war kein Raum, groß zu diskutieren. Also suchte ich mir einen Platz und fand einen weitab in der Nähe des Eingangs. Dort zog es aber so heftig, dass ich mich an eine Seitenwand verzog und dort den ersten Teil weitgehend im Stehen verfolgte. Auch eine neue Erfahrung! Von der Seite aus konnte ich den Stepptanz nur entfernt verfolgen. Es geht dabei immer um den Hallenboden. Beim ersten Workshop 2011 stand ja schon die Frage im Raum, ob es überhaupt möglich sei, in einer Sporthalle mit den „Metallklappern“ an den Tanzschuhen zu steppen. Damals kam es doch zu der Szene: „Schulleiter kniet vor Stepptänzerin“, heute fegte klappernd die ganze Truppe ungefragt über die Bühne. Wir hatten aber vorgesorgt und die jährliche Versiegelung des Hallenbodens von den Sommerferien in die Herbstferien verlegt, so dass auch die schwarzen Abrieb-Striche von den an den Enden umklebten Bambusstangen kein Problem darstellen sollten. Der Boden wird zunächst „abgerieben“ und dann in drei neuen Schichten versiegelt. „Die steppen und wir dürfen nicht mal mit den Straßenschuhen reinlaufen“, so die Bemerkung einer Kollegin, die ich aber mit dem genannten Hinweis relativieren konnte.

Schon in der Pause erhielt ich begeisterte Rückmeldungen, worauf ich nur antworten konnte: „Warten Sie mal den zweiten Teil ab, wenn unsere Kids dazukommen!“ Dann wurden all die Zuschauer mit einer erneut hinreißenden Show belohnt, welche alle Vorbemerkungen einlöste. Ihre Wirkung will ich nicht erneut ausbreiten, die Worte der letzten Shows aus 2011, 2013 und 2015 trafen erneut zu und gefühlvoll bewegt konnte ich diese sechzig Minuten erneut nur mit immer wieder feuchten Augen miterleben. Welch eine Bereicherung, in die leuchtenden Augen der Schüler/-innen zu sehen, die Erfüllung zu entdecken, auch den Stolz, eine solche Show hingelegt zu haben. Einfach und immer wieder faszinierend!

Natürlich erklang zum Dank auch der Schulkanon wieder, der an solchen Abenden in besonderer Weise ins Leben umgesetzt wird: „Jeder kann was prima machen“! Wunderbar auch die Worte des Europa-Managers, der das musikpädagogische Anliegen dieser weltweit agierenden Truppe mit dem Text des Kanons verknüpfte. Ich hatte schon länger diesen Zusammenhang empfunden und hergestellt, heute nun wurde er „offiziell geadelt“, weil er von einem Außenstehenden wahrgenommen und vor einem großen Publikum formuliert wurde. Wie herrlich ist das denn?

Eine weitere Faszination dieser Show-Abende besteht immer wieder darin, dass die „ganze“ Schule binnen kürzester Frist aufgeräumt ist. Alle packen mit an, tragen die Stühle zurück in die Klassenzimmer, klappen die Biergarnituren zusammen, legen Hand in der Halle an und bieten sich an, sogar beim Abbau der Tribüne zu helfen. Kaum war das alles erledigt – ein besonderer Dank dafür von dieser Stelle aus an alle, die tatkräftig geholfen haben – hörte ich schon, dass der „Putz-Traktor“ angelassen wurde, mit welchem die Halle nass gewischt wird. Im Nachhinein blieb ich wieder erstaunt zurück und trage, angesichts einer solchen Schulgemeinschaft, ein wonniges Gefühl mit nach Hause, welches sicherlich mit dazu beitrug, dass ich erstmal nicht einschlafen konnte – der Adrenalinspiegel senkte sich wohl nur langsam, ein gutes Zeichen!

 

Samstag, 23. September 2017:

Der Start war heute auf 7.45 Uhr festgelegt: mit noch etwas Sand in den verschlafenen Augen kommen die ersten an, aber ich höre nur Positives vom Schlafen in der Nacht. Auch der Company-Manager signalisiert mir den grünen Bereich mit den Gastfamilien. Es ist bisher zwar nie etwas vorgefallen, aber ob immer alles zusammenpasst, was da zusammengesteckt wird, verursacht doch ein wenig Spannung. Aber auch 2017 passt alles.

Durch verschiedene Kontakte am Rande bin ich inzwischen mit dem Art-Director, dem Company-Manager, dem Stage-Manager und der Financial-Managerin menschlich wunderbar in Kontakt gekommen. Ich selbst bin heute so etwas wie der Catering-Manager. 200 Essen sollen in 35 Minuten an die hungrigen und kräfteverzehrenden Tänzer gelangen. Wegen des erschreckenden Müllberges haben wir in diesem Jahr einen Caterer engagiert, der Porzellanteller und Besteck mitliefert. Wenn wir es spülen, ist das finanziell keine große Belastung. Das soll in der Mensa geschehen, die Deidesheimer „Küchenfee“ kommt eigens vorbei und kümmert sich darum. Letzten Endes war die Müllvermeidung deutlich zu spüren. Um die Vitaminarmut bei Nudeln mit Tomatensoße zu verringern, hatten wir noch Äpfel in großer Menge besorgt. Angesichts der weithin zu vernehmenden Klage der Obstbauern über die geringe Erntemenge durch die frostigen Nächte im März/April,  mussten wir sie in diesem Jahr bezahlen, aber auch das ließ sich regeln. Mein Kollege kümmert sich derweil um die Ausstattung des „Fuzzy-Rooms“, dem Aufenthalts- und Verpflegungsbereich für die YA, geht Getränke, Obst, Brezeln und Schokolade ergänzend nachkaufen.

Alles, was ich in den Jahren zuvor über die YA geschrieben habe, trifft erneut zu und muss heuer nicht wiederholt werden. Neu ist aber für mich der künstlerische Direktor, den vierten, den ich inzwischen kennen gelernt habe. Diese Funktion wird auf der dreimonatigen Tour des Öfteren ausgewechselt, vermutlich aus beruflichen Gründen. Jeder dieser Direktoren hat seinen eigenen Stil, seine eigenen Vorstellungen, wie sie an den Workshop herangehen. Der derzeitige wirkt etwas zielstrebiger, manche empfinden ihn strenger als etwa den letzten aus dem Jahr 2015. Mir ist er fast etwas näher, legt er doch mehr Wert auf Tiefgang als auf „Happiness“. Deutlich wurde das für mich darin, wie er den „Lionsking“, diesen „inneren Kern“ der YA eingeleitet hat. Die Tänzer tanzten und sangen ihn zunächst vor und der Direktor gab den Kids den Auftrag mit, den YA in die Gesichter, in die Augen und auf die Bewegungen zu achten. Anschließend wertete er diese Beobachtungen sehr schön aus. Unsere Schüler/-innen haben den Auftrag genau ausgeführt und mehr Ernsthaftigkeit entdeckt, aber auch leuchtende Augen und angespannte Gesichter, eine ganz besondere Stimmung. „Wollt ihr jetzt, dass wir euch diesen Tanz beibringen? Dann müsst ihr genau dies auch umsetzen, denn das ist der „Spirit“ der Young Americans“. Nach dieser einleitenden oder hinführenden Einstimmung war klar: Was jetzt kommt, bedarf noch größerer Konzentration, das haben wir alle in der Halle gespürt. Ich selbst erlebe den „Lionsking“ zum vierten Mal bei uns, dreimal habe ich ihn außerhalb Wachenheims genossen. Immer noch und immer wieder ist er der emotionalste Teil der Show, der mir auch in Kenntnis dessen, was da jetzt kommt, die Augen stets und regelmäßig feucht werden lässt. Das ist zunächst die afrikanisch anmutende Musik mit ihrem rhythmischen Gepräge, da ist das sich stets steigernde Lied „Circle of Life!, das immer lauter und mehrstimmig in einem mitreißenden Arrangement gesetzt ist, diese geschulten Stimmen, die sich stets immer noch steigern können, einfach eine Wucht! Mir flattert selbst bei der Probe jedes Mal der Magen (oder das Zwerchfell?), wenn der Herzrhythmus, im Kreis auf dem Boden kniend, von allen nachgeahmt wird. Da bin ich ganz bei ihnen, kann mich gehen lassen und verlasse auf diesem Weg meine rationale „Box“. Allerdings nicht lange, denn der Samstag ist nach der Ausgabe der T-Shirts für die Show auch der Zeitpunkt der Abrechnung. Auch hier Unterschiede: Ich erlebte „Abrechnende“, die partout vor der Abreise der Gruppe einen Bankbeleg wollten (Das mag in den USA möglich sein, aber in Deutschland geht das am Wochenende nur online oder mit der Überweisungs-Maschine, die allerdings einen solch großen Betrag nicht überweist). In diesem Jahr eine ganz andere Umgehensweise. „Bankbeleg? Ach ja, den kannst du mir ja zukommen lassen, wenn du willst.“ Vielfalt tut gut!

Als die Eltern gegen sechs Uhr alle Teilnehmer abholten, hörte ich hie und da noch von einem anstehenden Picknick am Haardtrand, vom geplanten Besuch der Wachtenburg…was die Gasteltern eben für und mit ihren Gästen so geplant hatten. Ein Vater sprach mich mit den Worten an: „Die Außenwirkung Ihrer Schule ist eh schon durchweg gut. Dieses Projekt wird das noch vermehren!“ - ein schönes Wort zum Ausklang dieses traditionell anstrengendsten Tages.

 

Freitag, 22. September 2017:

Dieses Jahr wollte ich den Aufbau und die dazugehörige Organisation wieder miterleben, Unterricht hatte eh keinen. Daher weilte ich den ganzen Tag als Ansprechpartner in Wachenheim, half den beiden Hausmeistern noch vor acht beim Aufbau der Tribünenteile, begleitete die Getränkelieferung mit den dazugehörigen Biergarnituren, regelte das Aufstellen der Kühlschränke (Bestellt war doch ein Kühlanhänger?) und betreute all den Kleinkram von Einzelfragen, der im Vorfeld dann doch plötzlich auftaucht und bearbeitet oder entschieden werden will. So war ich schließlich Ansprechpartner für alle möglichen Fragen der YA, vom 32-Ampere-Starkstrom-Anschluss über die Lichtschalter in den Gängen der Umkleideräume, die einem Labyrinth ähneln, bis zur Bereitstellung zusätzlicher Tische für die Technik, informierte mich über die Lüftungsklappen in der Hallendecke, prüfte nochmals die Notausgänge und landete auch bei der Frage, was mit den kleinen Fußballtoren aus dem Ganztagsbereich geschehe und wo das Tischfußball-Gestell am wenigsten stören würde.

Dazwischen bzw. als Hauptaktivität heute Morgen verbuchte ich das Umwandeln der Sporthalle zur Workshop- und Showbühne. Ich kannte die professionelle Art, wie da jeder weiß, was, wann und wo zu tun ist, an welcher Kante die Kabel verklebt werden, wie die Traverse für die rückwärtige Vorhang-Wand aufzubauen ist, wo die Lautsprecher mit den großen Bassboxen stehen usw. Neu kam dagegen die Aussage daher: „Ganz Deutschland ist mit verschieden farbigen Linien durchzogen. Wir orientieren uns immer an der blauen Linie des Volleyballfeldes.“ Klar, wessen Aufenthalt in Deutschland sich hauptsächlich in Dreifelder-Sporthallen abspielt, der wird diese DIN-Vorgabe als landestypisch abspeichern.

So verging die Zeit wie im Flug bis zur Preview-Show, die in diesem Jahr tatsächlich „Assembly-Show“ bezeichnet wurde! Einige Klassen der IGS und der Grundschule hatten sich angekündigt, letzte Werbung für Kurzentschlossene. Der Art-Direktor erläuterte das Unternehmen, eine Studentin aus Kassel, die sich aufgrund eines Workshops an ihrer Schule beworben hatte und tatsächlich genommen wurde, übersetzte. Die Rede in all den Jahren war immer wieder von der so genannten „box“, aus der die Teilnehmer herausfinden sollten. Im Deutschen passt keine Übersetzung so richtig, gemeint ist so etwas wie die gewohnte „Schachtel“, in der wir uns alle bewegen und deren Grenzen wir wie selbstverständlich akzeptieren. In der Arbeit der YA ist es ein erklärtes Ziel, aus diesem gewohnten und uns beengenden Raum mit seinen vier Wänden, mit fester Decke und (sicherem) Boden einmal auszusteigen, die Wände einmal nicht hinzunehmen, sie zu überwinden und dadurch zu wachsen.  In unserem Sprachgebrauch müsste es vielleicht so heißen: traut euch über eure Grenzen hinauszugehen, findet mit uns Mut, über den eigenen Schatten zu springen, lasst euch in den Workshop „fallen“ und geht mit unserer Hilfe aus euch heraus. Und dann machten sie das vor. In dieser Windeseile von null auf hundert zu kommen, schaffe ich nur morgens auf der Waage. Ruckzuck ist eine Stimmung da, herrscht eine mitreißende Atmosphäre – immer wieder grenzt es für mich an ein Wunder, wie die YA dies hinbekommen. Und tatsächlich meldeten sich noch fünf Schüler/-innen bei mir an, holten telefonisch das Einverständnis der Eltern und bei mir den Anmeldebogen ab. Ab 14.30 Uhr „öffnete“ ich die Kasse und sammelte das Geld für den Workshop ein. Seltsam: Erstmals blieben zehn „verbindlich Angemeldete“ fern, fünf kamen neu dazu, so dass in diesem Jahr letztendlich 142 Schüler/-innen teilnehmen werden. Zum letzten Workshop eine Steigerung.

Nach vielen Vorbereitungen (Sponsorengelder beantragte ich bereits im Sommer 2016) öffneten sich für die schier nicht mehr zu bändigenden Kinder und Jugendlichen um 15 Uhr die Türen der Workshop-Halle, sie sprangen nach kurzem Aufwärmen direkt in die Eröffnungsnummer der sonntäglichen Show. Bisher war sie immer eine besondere Nummer zum Einheizen, eine „Eisbrecher-Nummer“ für die verkopften Europäer nach der (Über-) Betonung der Vernunft durch die Aufklärung. Nach der ersten Vorführung durch die YA durfte sich jede/r einen „teacher“ auswählen, der/die dann in einer kleinen Gruppe irgendwo in der Halle die vielfältigen Bewegungen, bestehend aus Beugen, Hüftkreisen, einer Vielzahl von Arm-, Bein- und Handbewegungen aufdröselte und wieder zur Nummer zusammen baute. Mein Kopf kommt nicht mehr mit, vielmehr ist Schauen, Spüren und Nachmachen gefragt, nach wenigen Minuten bin ich schon berauscht vor Begeisterung. Das  herrliche Wetter trug zur guten Stimmung bei, wieder üben und singen Gruppen im Hof und auf dem Kleinspielfeld hinter der Halle verstreut. Und erneut staune ich darüber, wie sich unsere Kids irgendwann aus ihrer „box“ wagen und sich trauen, einzeln voreinander zu singen. Ich höre Lieder anklingen von „We will rock you“ bis zum „Cupsong“, und zu meiner besondere Freude ist auch „Jeder kann was prima machen“ dabei. Abseits machen sich zwei YA Notizen. Die Kids wissen bestimmt nicht, dass diese lockere und spaßige Runde, bei der jede/r mit Beifall der anderen rechnen kann, zur Auswahl der Solosänger für die Show dient. Anschließend wieder (im Laufschritt) zurück in die Halle, die ersten Eltern trudeln ein und bestaunen bereits die Eröffnungsnummer, die gerade wiederholt wird. Das Feuer ist entfacht, es wird bis Sonntag lodern und noch lange darüber noch weiterglühen. Für mich erneut eine ganz große Freude!

 

Donnerstag, 21. September 2017:

Da ich keine Unterrichtsverpflichtung hatte, konnte ich die Rückkehr in den Dienst im Büro „sanft“ erproben. Bereits gestern ereilten mich per Mail die kurzfristigen Absagen zweier Gastfamilien wegen Krankheit. Freilich verfügten wir über eine Liste derer, denen wir absagen mussten, aber sie so kurzfristig zu aktivieren – immerhin kommen die YA heute Abend…Nach einigen Anrufen und Erläuterungen war auch dieses Problem gelöst. Welch eine Bereitschaft der Eltern! Ebenfalls hatte ich letzte inhaltliche und zeitliche Absprachen mit dem Caterer auf dem Programm – insgesamt geht es immerhin um über 250 punktgenau benötigte Portionen.

Trotz aller Planungen und Vorbereitungen ist es dann auf dem Parkplatz am Abend spannend – die Erfahrung vor sechs Jahren, als bei der Begrüßung eine Gastfamilie fehlte, hat sich doch bleibend eingeprägt. Auf dem abendlichen Schotterplatz kann ja so gut wie nichts mehr geregelt werden. Ich hatte meine Liste der Gasteltern mit allen Telefonnummern dabei, hakte ab, ging auf neu ankommende Autos zu und kurz vor achtzehn Uhr konnte ich den letzten Haken setzen – alle waren gekommen. Klingelton auf dem Handy: „We had a traffic near Frankfurt, we‘ll arrive 15 minutes later“. Gesprächiges Warten der Anwesenden, so manche Frage an mich deutete auf Anspannung auch bei den Gastfamilien hin. Für viele wird es eine völlig neue Erfahrung sein, zwei fremde Student/-innen für ein Wochenende in ihrer Familie aufzunehmen. Wie werden sich die YA einfügen? Wie wird die Verständigung laufen? Wie werden wir das alles organisieren? Die Frist der Anfahrt verlängerte sich dann nochmals um fünf Minuten, aber dann sah ich den aus den letzten Jahren bekannten bunten Bus mit dem Schriftzug „Unterwegs“. Auch die Busfahrerin kannte ich aus den letzten drei Workshops. Da ich mit meiner Liste als Verantwortlicher zu erkennen war, sammelten sich gleich nach dem Aussteigen die drei „Manager“ bei mir, Stage- und Company-Manager und der künstlerische Direktor. Wuseliges Ausräumen des Busses und dann die Zuordnung der YA zu den Gastfamilien, Jubeln, Kreischen, Begrüßen – alles wie in den Jahren zuvor. Auch das irische Mädchen, das nicht in einer Gastfamilie untergebracht werden wollte, wurde mir vorgestellt. Ihre Eltern waren angesichts der Dreimonatstour eigens hier angereist, um ihre Tochter, wenn sie schon mal während des Studiums in den Staaten in Europa weilt, zu treffen. Sie hatten sich eine Ferienwohnung in Forst reserviert und ich hatte zugesagt, die Tochter, mangels einer Gastfamilie, mit dem Auto dorthin zu bringen. Kurze Absprachen über den zeitlichen Verlauf, vor allem für den morgigen Tag, dann leerte sich der Parkplatz am Hort schnell und ich spielte das „Taxi nach Forst“. Die Ferienwohnung lag im Unterschoss, dunkel und verschlossen fanden wir sie vor. Den Schlüssel musste die Studentin mittels einer zuvor zugesandten PIN-Nummer aus einem kleinen Kästchen am Eingang entnehmen. Keine Begrüßung, kein Kontakt – ein etwas anonymes Ankommen. Ihre Eltern kämen erst spät abends aus Frankfurt an, vernahm ich als Antwort auf mein seltsames Gefühl. Ich wollte doch nicht eine junge Frau einfach irgendwo „abladen“ und dann meiner Wege ziehen. Sie nahm aber alles gelassen und bedankte sich beim Verabschieden herzlich. Na, dann…

Die Begrüßung hat sich in den letzten Jahren als „mein Job“ herausgestellt. Zum einen läuft der Erstkontakt per Mail über mich und irgendwie ist es ja wertschätzend und angemessen, bei der Ankunft vom Schulleiter begrüßt zu werden. Die letzten Male war dies bereits mein alleiniger Job. Für eine/n weiteren Verantwortlichen gibt es ja auch wirklich nichts zu tun. Dieser Teil des Workshops gehört daher mit seiner besonderen Atmosphäre für mich zum festen Bestandteil und hat sich als auf seine Art dicht tief in mich „eingegraben“. So kannte ich das Gefühl genau: „Jetzt sind sie da und alles geht seiner Wege!“ Der Anfang hat reibungslos funktioniert.

 

Montag, 18. September 2017:

Die befürchteten Wellen blieben nicht aus. Bereits vergangenen Freitag erreichte mich ein Anruf aus dem Ministerium. Offensichtlich hat der Sender dort nachgehakt wegen der Bausituation und wegen eines Interviews angefragt. Telefonisch sollte ich meinen „heimlich aufgezeichneten Satz“ erläutern und ergänzen. Kurz danach noch ein Anruf der Redaktion aus Mannheim, ob ich für ein weiteres Interview bereit stünde zum Thema Digitalisierung. Da sind wir, wieder drängt sich der Bau in den Vordergrund, derzeit  ohne Computerraum schlecht aufgestellt. Was sollte ich da sagen? Erneut die fehlenden Räume ansprechen? Nochmal Öl ins Feuer gießen? Ich habe das Interview abgelehnt. Heute nun war wieder die oberste Schulaufsicht am Telefon. Sie habe eine Anfrage erhalten, ob das Ministerium einen Maulkorb erteilt habe. „Kannst du dir darauf einen Reim machen?“ Ja, ist das denn zu fassen? Wo sind wir denn? Sind (mal allgemein geschrieben) die Medien von Presse und Funk wirklich an hintergründiger Wahrheit interessiert oder nur an der schnellen Nummer oder gar an der Sensation? Bohren, einfach mal ins Blaue hinein haltlose Vermutungen anstellen und nachfragen, drängen? Wenn ich begründend ein Interview ablehne, ist das doch längst kein Anlass einen Maulkorb zu vermuten! Ich stehe doch für mich und kann, denkend, abschätzend und reflektierend mein Verhalten steuern. Was geht da in den Hirnen von Medienleuten vor, daraus einen Maulkorb zu konstruieren? Mein Bild von Medien hat jedenfalls Schaden genommen: Ich konnte nicht das unterbringen, was mir wichtig war, nicht autorisierte Sätze werden in die Öffentlichkeit gezerrt, vorherige Absprachen nicht eingehalten (kein Bild von den sehr wohl auch vorhandenen neuen Klassenräumen). Wie muss ich kommende Sendungen mit dieser Erfahrung anschauen? Stimmt die Information überhaupt? Unter welchen Rahmenbedingungen kamen sie zustande? Was fehlt an Hintergründen zum umfassenden Verständnis? Ist das lediglich ein Problem der quotenabhängigen Privatsender? Agieren öffentlich-rechtliche Medien „sauberer“ und  tiefschürfender? Fragen, die ich in mir trage und die, da ich erkältet krankgeschrieben bin, durch den Alltag kaum Ablenkung erfahren. Bis zum Wochenende muss ich fit sein. Die Young Americans kommen zum vierten Mal! Also „leite“ ich die Schule, wo es sein muss, von zu Hause aus, mir aber dessen bewusst, dass ein gut arbeitendes Team nur notwendig erscheinende Anliegen zu mir nach Hause trägt.

 

Donnerstag, 14. September 2017:

Eine kleine Geste wird zum Aufmacher: „Mit dem RTL-Mann auf einen Berliner“, überschrieb die Redakteurin unserer Tageszeitung ihren Bericht über die gestrigen Dreharbeiten. Glänzende Augen bekam gestern der Chefredakteur, als er beim Besuch der Mensa mit Kindern sprach und erfuhr, dass es zum Nachtisch einen Berliner gab. Von unserer lieben Küchenfee weiß ich, dass „immer mal was übrig bleibt“. So auch heute und ich konnte mit insgesamt vier Berlinern die Crew erfreuen. Solche kleinen Dinge gehören eben auch dazu, schön, dass sie bemerkt wurden und es dann auch noch in die Zeitung schaffen. Insgesamt habe ich erneut dieses Printmedium lieben gelernt. Angesichts des überraschend großen Aufmachers, entstand in mir eine Frage: Hatte ich die „Prominenz“ von Peter Klöppel unterschätzt? Immerhin hat er das Duell der Spitzenkandidat/-innen für die Bundestagswahl vor zwei Wochen, gleichzeitig auf vier Sendern ausgestrahlt, mitmoderiert.  Wie auch immer: es haben in dem Artikel mehr Fakten und Hintergründe in die Öffentlichkeit geschafft, als es gestern in dem Fernsehbeitrag möglich war. Auch die mir so wichtige positive Einstellung des Schulträgers kommt darin deutlicher zum Ausdruck, sehr schön. Dass hier eine Redakteurin geschrieben hat, die über einen genauen Blick für auch atmosphärisch wichtige Kleinigkeiten verfügt, wird durch viele Einzelheiten deutlich, die sie beobachtet und aufgenommen hat. Nicht schriftlich formuliert hat sie die dennoch wahrgenommene „sehr liebe Umgangsweise der Küchenfee mit den Kindern bei der Essensausgabe“. Sie sei daher hier eigens erwähnt.

Eine Rückmeldung des GEW-Vorsitzenden will gerne noch anfügen. Er erinnere sich sehr genau an die damaligen Diskussionen auf Landesebene, als darum ging, den ungeliebten Doppelstandort Deidesheim/Wachenheim zu genehmigen. Damals seien große Bedenken geäußert worden, ob das funktionieren würde. Und nun dürfe er erleben, was hier eine wertvolle und gute pädagogische Arbeit daraus gemacht haben. Und auch die gestrigen Besucher rühmten einmal mehr die Atmosphäre und den Umgangston an der Schule. Lasst uns solche spontane Äußerungen tief trinken, denn sie können über manch Unliebsames hinweghelfen! Jetzt werde ich gespannt auf die Wirkung dieser Aktion warten. Wird es den Baufortgang beflügeln? Alles in allem schätze ich es als gute Entscheidung, den Fernsehsender  in die Schule zu lassen. Wir haben jedenfalls keine Chance vertan!

 

Mittwoch, 13. September 2017:

Zweiter Drehtag! Dieses Mal reiste der politische Chefredakteur von „RTL aktuell“ persönlich an, wegen des Sturms allerdings nicht mit dem Motorrad, ebenfalls war der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft gekommen. Prompt drängten sich zwischen den einzelnen Drehs zunächst etwas schüchtern wirkende Schüler/-innen in die Gruppe und wollten ein Foto mit Peter Klöppel machen. Aha! Fast genüsslich, so schien sein Gesichtsausdruck zu verraten, ließ er dies zu. Ansonsten vermehrten sich die Drehminuten auf über hundert. Immer wieder sah ich winkende Schüler/-innen und auch lächelnde Kolleg/-innen. Das lässt einen breiten Spielraum zu. Insgesamt erlebte ich den Tag als etwas unstrukturiert, so als hätte man gar keinen genauen Drehplan und sammele nur viele einzelne Eindrücke. Hier ein Kamera-Schwenk, vom Grundstein aus dem Jahr 1969, doch nochmal in die Toiletten, die wir vorgestern doch bereits ausführlich gefilmt hatten, ähnliche Wiederholungen bezüglich des Lichts, ein ungeplantes Plaudern (?) mit einer Referendarin, dann reiste die Tageszeitung mit Fotograf an, ja, was ist das denn für ein „Star-Rummel“? Hatte ich die Situation falsch eingeschätzt? Und dann um 18.45 Uhr gespanntes Warten am Fernsehen. Was werden sie wohl daraus gemacht haben? Was aus den hundert Minuten hat es durch den Schnitt geschafft? Das, was eigens mehrfach als Interview gefilmt wurde, flog raus (!), eine Szene am Rande, von der ich gar nicht wusste, dass die Kamera läuft, wurde gesendet, auch nicht autorisiert (ein Satz, plaudernd geäußert, nicht zur Veröffentlichung gedacht und hoffentlich folgenlos!), kein Elternbeirat, kein Schülersprecher, kein GEW-Vorsitzender, kaum Hintergründe und auch noch durch das Thema Kindertagesstätten angereichert. Was war das jetzt für ein Aufwand: Am Montag waren drei Fernsehleute aus Mannheim einen halben Tag angereist, heute deren fünf aus Köln, Interviewpartner und die Lokalpresse eingeladen für diese inhaltlich plakativ daherkommenden zwei Minuten Sendezeit? Was mögen da 24 Stunden wohl kosten? Außerdem treibt mich die Frage um: Wie erleben diese für das Fernsehen agierenden Menschen ihre Arbeit, wenn 98% davon im „Off“ landen? Da tüftelt ein Kameramann den günstigsten Lichtwinkel aus, bei dem es auf Zentimeter ankommt, da postiert die Lichtfrau Scheinwerfer exakt und arbeitet wegen der Ausleuchtung mit verschiedenen Streu- oder Bündellinsen, da wechselt der Tontechniker die Hülle des Richtmikrofons aus, da wird ein „Take“ wegen eines Nebengeräusches wiederholt  – alles also kompetente Zugänge und dann ist hinterher alles für die Katz! Nun habe ich als Lehrer auch kaum unmittelbare Rückmeldungen auf meine Arbeit, vielleicht, wie öfter geschehen, rückblickend nach Jahren mit dem einen oder anderen Schülerkommentar, aber ich kann die Hoffnung hegen, mit mir und meiner Arbeit etwas zu bewirken. Aber bei dem Erleben der letzten Tage muss doch das Gefühl vorherrschen: Ich produziere fast ausschließlich überflüssigen Schrott. Vielleicht, wenn es der Zufall will, wird ein Bruchteil dessen gesendet, wenige Sekunden, ansonsten hat meine Arbeit keinen Effekt. Welcher Schreiner baut einen Schrank, um ihn hinterher irgendwo nutzlos hinzustellen? Welcher Maurer zieht gekonnt eine lotgerechte Mauer hoch, die dann gar nicht gebraucht wird? Oder auch: Hauptsache, ich verdiene mein Geld? Seltsame Kompetenzen werden da offensichtlich benötigt. Oder, auch das ließe sich ja ins Positive wenden: Ich muss für meine Arbeit in mir selbst ruhen, darf für mein Lebensgefühl nicht vom Ergebnis der Arbeit abhängig sein, ich muss aus innerer Überzeugung produzieren und gut sein, das muss genügen, egal, ob das Ergebnis gebraucht wird oder nicht.

Eines wird aber bleiben: „Unsere“ Bauproblematik ist öffentlicher geworden. Dies könnte sich auch positiv auswirken. Ich selbst bin auf alle Fälle um eine Ernüchterung, was unsere Medienlandschaft anbelangt, reicher und einige Kids haben ein Foto mit Peter Klöppel!

 

Dienstag, 12. September 2017:

Vormittags machte ich mich an die Post für die Gasteltern. Es fällt mir doch schwer, einer ganzen Reihe von Gastfamilien eine Absage schicken zu müssen. Schon wieder ein „Zuviel“. Das scheint eines der Kennzeichen eines hiesigen Schulleiters zu sein, immer wieder absagen zu müssen. Sei es das jährliche Aufnahmeverfahren und nun auch noch die Gasteltern. Aber insgesamt ist doch ein gutes Zeichen, dass wir über eine derart offene und einsatzbereite Elternschaft verfügen.

Nachmittags dann die im Vorfeld als knifflig angesehen Dienstbesprechung. Doch sie verlief in ruhigem Fahrwasser. Es ist uns gelungen, dem Kollegium gegenüber Transparenz des Weges aufzuzeigen und als zweiten geplanten Schritt: ins Handeln zu kommen. Ein gutes Treffen, eine sachlich orientierte Besprechung mit positiven Auswirkungen für das weitere Vorgehen. Nun wird eine repräsentativ besetzte Steuergruppe den weiteren Weg zu einem tragfähigen Differenzierungsmodell in die Hand nehmen. Das verhindert verhärtete Fronten und mindert Ängste. Ein guter Nachmittag!

 

Montag, 11. September 2017:

„RTL ist im Haus!“, waberte es über die Flure, weil die (modernen) LED-Scheinwerfer, das Dreibein-Stativ für die Kamera und der Ton (mit dem fellartig eingepackten Richtmikrofon) nicht zu übersehen waren. Wie vereinbart traf die Crew zum Vorabdreh um 8.30 Uhr ein. Ein erstes Abtasten in meinem Büro (frisch aufgebrühter Schulleiter-Kaffee sollte zur lockeren Atmosphäre beitragen), dann erste Lichtproben und Kameraeinstellungen auf dem Flur, bis der Vorsitzende des Schulelternbeirates eintraf. Er sollte als erstes interviewt werden. „Inwieweit beeinträchtigt aus Sicht der Eltern das anhaltende Warten auf den Neubau das Lernen Ihrer Kinder?“. „Können Sie dahinten durch die Tür kommen und auf uns zulaufen? Wir benötigen noch ein Paar Moderations-Szenen“, das heißt Bilder, zu denen später aus dem Off gesprochen wird. Danach verlegten wir die Dreharbeiten in eines der Klassenzimmer im Bestandsbau. Erblindete, beschlagene Fenster machten die Sanierungsbedürftigkeit mehr als deutlich. Vorher ausgewählte Schüler/-innen mit eingeholter Erlaubnis der Eltern standen Rede und Antwort. Inzwischen stand der Schülersprecher parat. Als am häufigsten von Schülerseite genanntes Problem seien die Toiletten anzuführen. Also ab in den „geruchsstarken“ Raum. Der Tonmeisterin war der Hall in dem gefliesten Raum zu stark, näher ran ans Mikrofon. Nun sollte ja nicht nur die alte Bausubstanz ins Bild gerückt werden. Nächster Drehort also ein neues Klassenzimmer mit großen Fenstern und interaktiver Tafel. Als ich die Baupläne in meinem Büro aus dem Schrank holte, damit wirklich klar wird: Der Schulträger müht sich mit allen Regeln der Kunst, schuf ich ein lohnendes Motiv: Schulleiter über Bauplänen. Davor aber auch hier Moderationsbilder: „Kommen Sie doch aus dem Sekretariat und setzen sich dann an den Schreibtisch. Ich stelle Ihnen dann die Frage, wieso es ausgearbeitete Pläne gibt, die nicht umgesetzt werden.“ Drei Versionen brauchten wir, bis diese Szene abgedreht war. Zunächst erschien den Redakteuren das Wort Schulträger zu abstrakt. „Ersetzen Sie es beim Wiederholen durch “Landkreis!“. Bei der zweiten Version verhaspelte ich mich, weil ich nach den Worten der ersten suchte, statt mich neu einzulassen. Aber die dritte Aufnahme war in dann Ordnung. „Sie haben draußen doch dieses lustige Schild ‚de Diräkdor‘ an der Tür hängen. Das hätten wir gerne noch im Hintergrund.“ – „Stellen Sie sich bitte schräg hier hin, nein, ein kleines Stück nach rechts drehen wegen des Lichteinfalls…noch etwa zwei Zentimeter…nein, das war zu viel, wieder zurück…“, und dann kam jemand durch die ins Schloss fallende Rauchschutztür. „Das knallt richtig“, bemerkte die Tontechnikerin. Also nochmal. Dann ertönte der Gong. Wieder nichts. „Jetzt wird es langsam eng mit meiner Geduld“, entrann es emotional dem Redakteur. Aber schließlich war alles im Kasten, was heutzutage ja eher eine nicht mehr als Kasten zu bezeichnende Digitalkamera ist und man eher davon sprechen müsste: „Dann war alles auf dem Chip“. „Wir überspielen das im Auto jetzt auf eine Festplatte, die wir gerne hierlassen würden. Könnten Sie diese am Mittwoch Herrn Klöppel geben? Ach ja, und ziehen Sie am Mittwoch bitte das gleiche an wie heute. Geht das?“ Uff, mein erster Drehtag fürs Fernsehen lag gegen 13 Uhr hinter mir. Ich lernte dabei: Fernsehaufnahmen fressen immens viel Zeit, ein kompletter Vormittag ging, oft einfach durch Warten und Einrichten drauf, für sage und schreibe 38 Minuten Vorab-Dreh – und das Ganze für einen maximal zweiminütigen Beitrag…und am Mittwoch geht es ja noch weiter. Die verblüffendste Frage war für mich: „Glauben Sie noch an den Neubau?“. Aber hoppla, ich habe die fertigen Pläne im Schrank, war von Anfang an eingeweiht, habe gar mit konzeptionellen Überlegungen unterstützt und weiß: Es liegt, nach allem, was ich weiß, nur an einem bürokratisch zu setzenden grünen Haken für die Fördergelder. Aber natürlich wird der Bau kommen!

 

Donnerstag, 07. September 2017:

Die Phase der Info-Veranstaltungen 2017 läuft an. Die aufwändigste ist sicherlich wieder die am benachbarten Gymnasium. Da vier Schularten anwesend sein werden, bedarf es genauer Absprachen und genau dazu trafen wir uns gestern an einem G8-Gymnasium, das zeitgleich mit uns gestartet ist. Aber welch ein Anblick: fertiger Neubau, komplett sanierter Altbau und ein Außengelände, bei dem die „Bauwunden“ schon zugewachsen sind. Ach ja,…

Wenn „Wandertag für alle Klassen“ im Kalender steht, ist meist für das Schulleitungsteam Luft für Besonderes. Für die Weiterarbeit in Sachen Differenzierungsmodell haben wir uns für den heutigen Klausurtag Unterstützung  vom „Zentrum für Schulleitung und Personalführung“ geholt. Außenstehende, die in der Prozessbegleitung erfahren sind, blicken anders auf Themen, Personen und Interaktionen als die Betroffenen, die im eigenen Saft schmoren. Da kommt es durchaus vor, den Fokus umzulenken, den Blickwinkel zu verschieben und schon kann ein neues Licht auf das Thema fallen, bisher im Schatten befindliche Seiten treten auf einmal hervor und können Verkrampfungen lockern. Hinzu kommt: Es tut unendlich gut, als Team gemeinsam mit Anleitung zu arbeiten. Das klärt Beziehungen, schafft Bindungen und bringt inhaltlich voran. Wenn dann zum Abschluss des Tages das fachmännische Resümee lautet: „Sie haben heute dicke Bretter gebohrt.“, dann sagt das alles aus über einen wichtigen und gelungenen Tag und Lösungen für die Dienstbesprechung am Dienstag haben sich zudem noch ergeben.

 

Dienstag, 05. September 2017:

Zwei Tage oder besser zwei ausladende Abende mit dem Gliederungsplan verbracht – zu Hause habe ich dazu mehr Ruhe, keine Anrufe, keine Unterbrechungen, einfach nur mit den Zahlen beschäftigt sein, grausam als Pädagoge, notwendig als Schulleiter!

Der Jahrgang „Ludwig Leberknödel“ ist seit gestern im Martin-Butzer-Haus. Ich wünsche euch bleibende Erlebnisse, hoffe, dass ihr alle durchhaltet und als Klassen gestärkt zurückkommt. Der Effekt für mich dabei ist, dass ich keine Fünfer in Musik habe.

Die Anmeldungen für die YA gehen in ausreichender Anzahl ein, prima!  Geradezu überwältigt bin ich von der Zahl der Gastfamilien. Immerhin bedeutet diese Bereitschaft, sich auf das Abenteuer einzulassen, einen zunächst wildfremden Menschen bei sich aufzunehmen. Grandios, schon jetzt gingen mehr Erklärungen ein, als wir benötigen. Da muss ich jetzt wertschätzende Absagen versenden. Schade drum, aber die YA kommen ja wieder!

 

Samstag, 02. September 2017:

Bereits gestern fühlte ich mich um zwei Jahre zurückversetzt: Die gleichen Geräusche von auf den Boden gelegten und zusammenzubauenden Aluminium-Traversen drangen an mein Ohr. Damals galt die Bühne der Eröffnung des Alla-hopp!-Platzes, heute der Einweihung des Deidesheimer Jugendtreffs. Natürlich war auch der Schulleiter der angrenzenden Schule für den offiziellen Teil geladen. Heute Morgen hegte ich noch Zweifel angesichts des Wetters, doch mit fortschreitendem Tag klarte es auf und pünktlich zum Start schien sogar die Sonne. Die Liste der Offiziellen ist bei solchen Anlässen relativ lange und reicht von Bürgermeistern über Mitglieder verschiedener Räte bis hin zu Vertretern der Kreisverwaltung. Das Positive daran ist, dass sich am Rande viele Gesprächsanlässe ergeben, hier eine Nachfrage, dort ein freundlich wohlwollender Kommentar, dort die kurze Klärung eines Sachverhaltes. Da tummele ich mich inzwischen recht locker durch die Reihen. Als das „nichtschulische“ Begleitprogramm dann startete, zog ich mich in mein nahes Büro zurück. Die beiden Stunden, bis unsere Bandklasse und die Schulband spielen sollten, wollte ich nutzen. An einem Samstagnachmittag ist der Kopierer frei und größere Druckvorhaben stören den Ablauf nicht. Also kopierte ich den Elternbrief für das Schul-Shirt und weitere Anmeldungen für die Young Americans. Zum Thema Schulshirt ist nachzutragen, dass das Kulturprofil in Jahrgang 13 zur Aufbesserung ihrer Abitur-Kasse nach einem schulweiten Wettbewerb gemeinsam mit einer Firma ein Logo entworfen hat. Es dient dazu, auf verschiedenen Kleidungs- und Ausstattungs-Accessoires seine Verbundenheit mit der Schule dokumentieren zu – kurz auch mit Schul-Shirt oder Fan-Shirt umschrieben.

Als ich unsere Schüler/-innen im Musiksaal entdeckte, wie sie Boxen und Instrumente raustrugen, warf ich mich zurück ins Getümmel. Aufgeregtheit von dem Open-Air-Auftritt, alles normal. Als die Instrumente gestimmt, der Soundcheck vollzogen und die Gesangsstimmen eingesungen waren, zog sich der Himmel schon langsam zu einem bedenklichen Grau zusammen. Guter Dinge begegneten die Zuhörer auch den ersten zarten Tropfen mit Lächeln und guter Stimmung. Dass sich das Ganze zu einem Gewitter der heftigeren Sorte zusammenbrauen würde, wusste bis dahin niemand. Und doch kam es so. Der eine oder andere Regenschirm hielt anfangs Wind und Regen noch stand, doch irgendwann ging gar nichts mehr. Dem FI-Schutzschalter sei Dank, sonst hätten sich die Musiker irgendwann mitten in einem Stromkreis wiedergefunden. Der Jugendtreff konnte erstmals zeigen, wie viele Menschen da hineinpassen, das Equipment der Bandklasse war längst in Sicherheit gebracht oder in Plastiksäcke verhüllt worden, meine Beine bis zum Knie klatschnass durch hochspritzendes Wasser. Da ging gar nichts mehr. Einige müssen, so hatte des Anschein, bis auf die Unterhose nass geworden sein. Erstmals also eine Veranstaltung, an der die Schule beteiligt war und die regelrecht im Wasser unterging. Schade für die Musiker, die das Ergebnis ihres langen Probens nicht vorstellen konnten, schade für die Eltern, die ihre Kinder nicht aktiv auf der Bühne erleben konnten, aber letztendlich glücklich für die Enkel, die einst gebannt den Erzählungen über diese „Wassermusik“ lauschen werden, denn so ein Erlebnis wünscht sich niemand, aber es vergisst so schnell auch niemand.